{"id":1046,"date":"2026-05-07T16:41:42","date_gmt":"2026-05-07T16:41:42","guid":{"rendered":"http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/?page_id=1046"},"modified":"2026-05-07T16:52:56","modified_gmt":"2026-05-07T16:52:56","slug":"tim-zelger","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/?page_id=1046","title":{"rendered":"Tim Zelger"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein krankes Herz, das weiterk\u00e4mpft, still, unerm\u00fcdlich und voller Liebe<\/strong><\/p>\n<p>Ich, Tim Zelger, wurde am 7. M\u00e4rz 1978 in Burghausen geboren. Ein ganz normaler Junge, voller Energie, immer in Bewegung, immer drau\u00dfen. Damals h\u00e4tte niemand gedacht, dass mein Herz eines Tages mein gr\u00f6\u00dfter Gegner \u2013 und gleichzeitig mein st\u00e4rkster Antrieb \u2013 sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Heute blicke ich auf ein Leben, das mir vieles geschenkt hat. Ich bin seit Oktober 2005 verheiratet, und meine Familie ist mein gr\u00f6\u00dfter Halt. Meine Tochter Johanna wurde im Oktober 2007 geboren, mein Sohn Lukas im M\u00e4rz 2009. Sie sind mein Gl\u00fcck, mein Stolz \u2013 und der Grund, warum ich nie aufgebe. Beruflich durfte ich als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eines mittelst\u00e4ndischen Familienunternehmens Verantwortung \u00fcbernehmen. Ich hatte Pl\u00e4ne, Ziele, Perspektiven. Doch mein Herz hatte seinen eigenen Weg.<\/p>\n<p>Die ersten Anzeichen kamen fr\u00fch. Nach dem Sport verlor ich immer wieder das Bewusstsein. Anfangs dachte ich, es sei \u00dcberanstrengung. Doch 2003 kam die Diagnose \u2013 und mit ihr die erste gro\u00dfe Entscheidung: Mir wurde ein Defibrillator mit Schrittmacherfunktion implantiert, ein ICD. Von da an lebte ich mit dem Wissen, dass ein Ger\u00e4t \u00fcber meinen Herzrhythmus wacht. Ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl. Be\u00e4ngstigend \u2013 und gleichzeitig beruhigend.<\/p>\n<p>Zwischen 2004 und 2010 folgten zw\u00f6lf elektrophysiologische Untersuchungen mit Herzkathetern. Immer wieder Vorhofflimmern, immer wieder Eingriffe. Ich gew\u00f6hnte mich an Krankenhausflure, an das Piepen von Monitoren, an das Warten auf Ergebnisse. Doch gleichzeitig lief mein Leben weiter. Meine Kinder wurden geboren, machten ihre ersten Schritte. Ich wollte dabei sein. Und ich war es \u2013 so oft ich konnte.<\/p>\n<p>2011 dann der n\u00e4chste Schlag: Daumengro\u00dfe Ablagerungen an der Sonde meines Defibrillators im Herzen. Eine Operation am offenen Herzen war unumg\u00e4nglich. Ich erinnere mich an die Angst vor diesem Eingriff \u2013 aber noch st\u00e4rker war der Gedanke an meine Familie. Ich wollte zur\u00fcck zu ihnen.<\/p>\n<p>2012 verschlechterte sich mein Zustand erneut. Eine weitere Herzoperation folgte, diesmal mit dem sogenannten Cox-Maze-Verfahren \u2013 einem chirurgischen Eingriff zur Behandlung von Vorhofflimmern, bei dem gezielt Narben im Herzgewebe gesetzt werden, um die<br \/>\nfehlerhaften elektrischen Signale zu unterbrechen. Dabei wurde auch mein Herzohr operativ entfernt. Jeder Eingriff hinterlie\u00df Spuren \u2013 nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch innerlich. Und doch machte ich weiter.<\/p>\n<p>2013 erlitt ich f\u00fcnf transitorische isch\u00e4mische Attacken, kleine Schlaganf\u00e4lle. Ein Moment, der mir zeigte, wie zerbrechlich alles ist. Wieder lag ich im Operationssaal. Der Herzbeutel wurde gefenstert, um den Druck zu reduzieren. Doch das war noch nicht das Ende. 2014 wurde mein Herzbeutel schlie\u00dflich vollst\u00e4ndig entfernt.<\/p>\n<p>Manchmal habe ich mich gefragt, wie viel ein Mensch aushalten kann. 2016 kam die n\u00e4chste Antwort \u2013 in Form einer Notoperation am Herzen. Keine Zeit zum Nachdenken, keine Vorbereitung. Nur die Hoffnung, dass ich es schaffe. Dass ich wieder aufwache.<\/p>\n<p>2018 folgte eine weitere gro\u00dfe Operation: Meine Herz-Lungenvenen wurden ersetzt. Ein komplizierter Eingriff, der erneut alles von mir verlangte. Ich war ersch\u00f6pft \u2013 k\u00f6rperlich und seelisch. Aber Aufgeben war nie eine Option.<\/p>\n<p>2019 traf es mich erneut hart. Eine schwere beidseitige Lungenembolie brachte mich an meine Grenzen. Wieder dieser Moment, in dem alles stillzustehen scheint. Wieder dieser Kampf zur\u00fcck ins Leben.<\/p>\n<p>Mit den Jahren sind die Narben mehr geworden. Jede einzelne erz\u00e4hlt ihre eigene Geschichte. Doch irgendwann wurde klar: Mein Herz kann diesen Weg nicht mehr alleine gehen.<\/p>\n<p>2022 \u00fcbernahm das Herzklinikum Bad Oeynhausen meinen Fall. Die \u00c4rzte waren ehrlich zu mir. Durch die vielen Operationen ist das Risiko einer Herztransplantation extrem hoch. Die Wahrscheinlichkeit t\u00f6dlicher Komplikationen liegt zwischen 30 und 70 Prozent. Zahlen, die man nicht einfach so akzeptiert. Zahlen, die einem den Boden unter den F\u00fc\u00dfen wegziehen k\u00f6nnen. Und trotzdem gibt es Hoffnung.<\/p>\n<p>Seit Oktober 2023 stehe ich auf der Transplantationsliste. Seitdem lebe ich in einem Zustand des Wartens. Jeder Anruf l\u00e4sst mein Herz schneller schlagen. Jeder Tag kann der sein, der alles ver\u00e4ndert. Oder eben nicht.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2024 kam eine weitere gro\u00dfe Herausforderung hinzu: Meine Nieren versagten, ich begann mit der Bauchfelldialyse. Anfangs war sie ein weiterer Versuch, meinem K\u00f6rper zu helfen, ihn zu entlasten, mir Stabilit\u00e4t zu geben. Doch die Realit\u00e4t war eine andere. Die Behandlung forderte mich enorm \u2013 k\u00f6rperlich wie auch seelisch. Mit der Zeit wurde sie zu einer t\u00e4glichen Belastung, die kaum noch zu tragen war. Nach etwa acht Monaten musste sie schlie\u00dflich operativ wieder beendet werden. Die Dialysefl\u00fcssigkeit wurde von meiner Lunge aufgenommen, was zus\u00e4tzliche Komplikationen verursachte und mir immer mehr die Kraft<br \/>\nnahm.<\/p>\n<p>Als Alternative wurde mir ein Demerskatheter zur Dialyse direkt ins Herz gelegt. Ein weiterer Eingriff, ein weiterer Versuch, meinen K\u00f6rper zu unterst\u00fctzen. Doch auch dieser Weg blieb nicht ohne R\u00fcckschl\u00e4ge. Im September 2025 musste der Katheter aufgrund einer Infektion wieder entfernt werden. Es folgte ein mehrw\u00f6chiger Krankenhausaufenthalt \u2013 Tage und N\u00e4chte voller Unsicherheit, Schmerzen und der st\u00e4ndigen Frage, wie viel mein K\u00f6rper noch aushalten kann.<\/p>\n<p>Meine Kinder sind inzwischen \u00e4lter. Sie verstehen mehr, als mir manchmal lieb ist. Sie sehen, dass ich k\u00e4mpfe. Sie sehen auch, dass ich m\u00fcde bin. Aber sie geben mir Kraft. Jeden einzelnen Tag.<\/p>\n<p>Ich habe gelernt, die kleinen Dinge zu sch\u00e4tzen. Ein gemeinsames Essen. Ein Lachen. Ein ruhiger Moment. Dinge, die fr\u00fcher selbstverst\u00e4ndlich waren, sind heute unbezahlbar. Mein Herz ist schw\u00e4cher geworden. Das sp\u00fcre ich jeden Tag. Aber mein Wille ist es nicht. Irgendwo da drau\u00dfen gibt es vielleicht ein Herz, das mir eine zweite Chance schenkt. Ein Herz, das weiter schl\u00e4gt \u2013 f\u00fcr mich, f\u00fcr meine Familie, f\u00fcr all die Momente, die noch kommen sollen.<\/p>\n<p>Bis dahin mache ich das, was ich immer gemacht habe:<br \/>\nIch k\u00e4mpfe.<br \/>\nStill. Unerm\u00fcdlich.<br \/>\nUnd voller Liebe.<\/p>\n<p>Tim<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/?page_id=105\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein krankes Herz, das weiterk\u00e4mpft, still, unerm\u00fcdlich und voller Liebe Ich, Tim Zelger, wurde am 7. M\u00e4rz 1978 in Burghausen geboren. Ein ganz normaler Junge, voller Energie, immer in Bewegung, immer drau\u00dfen. 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