{"id":913,"date":"2026-04-21T10:05:28","date_gmt":"2026-04-21T10:05:28","guid":{"rendered":"http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/?page_id=913"},"modified":"2026-04-21T10:15:27","modified_gmt":"2026-04-21T10:15:27","slug":"eva-schmid","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/?page_id=913","title":{"rendered":"EVA SCHMID"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-914\" src=\"http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1000086632-235x300.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1000086632-235x300.jpg 235w, http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1000086632-804x1024.jpg 804w, http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1000086632-768x978.jpg 768w, http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1000086632.jpg 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/p>\n<p>\u201eEs war die schwerste Entscheidung meines Lebens,<br \/>\naber ich wollte, dass mein Bruder weiterlebt\u201c<br \/>\nMein Name ist Eva Schmid, ich wurde 1970 geboren. Ich bin Angeh\u00f6rige eines<br \/>\nOrganspenders. Im Jahr 2019 habe ich meinen Bruder J\u00e1nos durch einen schweren<br \/>\nSchlaganfall verloren; er war erst 44 Jahre alt.<br \/>\nIch stamme urspr\u00fcnglich aus Rum\u00e4nien und lebe seit 1990 in Deutschland. Ende November 2019 kam mein Bruder zu mir, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Wir hatten uns lange nicht gesehen und freuten uns sehr auf diese Zeit. Wir lachten viel, erz\u00e4hlten, erinnerten uns an fr\u00fcher \u2013 es war eine unbeschwerte, sch\u00f6ne Zeit, die ich heute umso mehr in meinem Herzen trage.<br \/>\nDoch nur zwei Wochen sp\u00e4ter, am Sonntag, den 15. Dezember, \u00e4nderte sich alles. Ich ging fr\u00fch am Morgen zur Arbeit, w\u00e4hrend mein Bruder noch schlief. Als ich mittags nach Hause kam, war die Wohnzimmert\u00fcr noch geschlossen. Zuerst dachte ich mir nichts dabei \u2013 doch dann kam mir der Gedanke: Das kann nicht sein, dass er noch schl\u00e4ft.<br \/>\nMit einem immer st\u00e4rker werdenden unguten Gef\u00fchl ging ich ins Wohnzimmer.<br \/>\nDort fand ich ihn. Er lag auf der Couch, regungslos. Vermutlich schon seit Stunden, nachdem er einen Schlaganfall erlitten hatte. In diesem Moment geriet meine Welt ins Wanken.Ich rief sofort den Rettungsdienst. Die Minuten, bis sie eintrafen, f\u00fchlten sich wie eine Ewigkeit an. Ich versuchte, seinen Blutdruck zu messen \u2013 er war extrem hoch, kaum messbar. Ich hatte gro\u00dfe Angst, ihn zu verlieren.<br \/>\nNach etwa zehn Minuten war der Rettungsdienst da. J\u00e1nos wurde in das Krankenhaus<br \/>\nAlt\u00f6tting gebracht, wo er untersucht und versorgt wurde. Er kam auf die Intensivstation. In mir war die Hoffnung, dass sich alles vielleicht doch noch zum Guten wenden k\u00f6nnte.<br \/>\nIch fuhr kurz nach Hause, um mich umzuziehen, da ich noch meine Arbeitskleidung trug. Als ich wieder ins Krankenhaus kam, wurde ich gebeten zu warten. Doch die T\u00fcr bliebgeschlossen. Man sagte mir, es gebe Komplikationen.<br \/>\nKurze Zeit sp\u00e4ter kam ein Arzt zu mir. Ich werde nie vergessen, wie er mich ansah, als er sagte, dass es ihm sehr leidtue: Mein Bruder habe einen zweiten Schlaganfall erlitten.Ich durfte kurz zu ihm, dann musste er ins CT. Es war das letzte Mal, dass ich ihm in die Augen schauen konnte. Im CT kam es zu einem Notfall. Er krampfte. Danach konnte er nicht mehr selbstst\u00e4ndig atmen. Ein Arzt erkl\u00e4rte mir schlie\u00dflich, dass 60 % seines Gehirns betroffen sind und dass man im Krankenhaus Alt\u00f6tting nichts mehr f\u00fcr ihn tun k\u00f6nne. Ich konnte und wollte das nicht akzeptieren. \u201eUnd jetzt?\u201c, fragte ich. \u201eDas kann es doch nicht gewesen sein. Er hat einen Schlaganfall \u2013 das schaffen wir schon.\u201c<br \/>\nDoch ich sp\u00fcrte gleichzeitig, dass sich etwas Unaufhaltsames in Bewegung gesetzt hatte. Der Arzt sagte, mein Bruder m\u00fcsse in eine andere Klinik verlegt werden. Dann stellte er die Frage nach der Kosten\u00fcbernahme. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass J\u00e1nos nicht krankenversichert war. Trotz der Situation z\u00f6gerte ich keine Sekunde. \u201eIch \u00fcbernehme das\u201c, sagte ich. \u201eWo muss ich unterschreiben?\u201c<br \/>\nDann ging alles sehr schnell. Etwa 25 Minuten sp\u00e4ter wurde mein Bruder mit dem Rettungshubschrauber vom BRK nach Deggendorf geflogen. Ich fuhr gemeinsam mit meiner Schwiegertochter mit dem Auto hinterher. Mein Sohn, der in M\u00fcnchen lebt, war bereits dort als wir ankamen und sagte mir, dass J\u00e1nos schon im Operationssaal sei.<br \/>\nDiese Zeit des Wartens war kaum auszuhalten. Nach etwa einer Stunde kam der Professor zu uns. Er sagte, dass die Operation fast abgeschlossen sei, es aber sehr schlecht um meinen Bruder stehe. Sein Gehirn sei so stark angeschwollen, dass die Sch\u00e4deldecke nicht habe geschlossen werden k\u00f6nnen. Nach der Operation durften wir zu ihm. Er lag im Koma. Ich sa\u00df bei ihm, hielt seine Hand und hoffte \u2013 obwohl ich tief in mir schon sp\u00fcrte, wie ernst die Situation war. Wir blieben bis in die fr\u00fchen Morgenstunden bei ihm. Am n\u00e4chsten Morgen sagte ich dem Arzt, dass ich kurz nach Hause gehe und sp\u00e4ter wiederkommen w\u00fcrde. Dann stellte er mir die Frage, ob mein Bruder einen Organspendeausweis habe. Gleichzeitig sagte er, dass ich diese Entscheidung nicht sofort treffen m\u00fcsse. Ich erkl\u00e4rte ihm auch, dass J\u00e1nos keinen Organspendeausweis hatte und wir nie \u00fcber dieses Thema gesprochen hatten.<br \/>\nIch ging zur Arbeit, um dort Bescheid zu sagen, dass ich f\u00fcr unbestimmte Zeit ausfallen<br \/>\nw\u00fcrde. Ein paar Stunden sp\u00e4ter klingelte mein Telefon. Das Krankenhaus Deggendorf war dran. Die Untersuchungen seien abgeschlossen \u2013 das Schlimmste sei eingetreten. Mein Bruder sei hirntot. Eine zweite Diagnostik werde 12 Stunden sp\u00e4ter von einem Externen Arzt zur Best\u00e4tigung durchgef\u00fchrt. Am Telefon konnte ich kaum begreifen, was geschehen war. Alles f\u00fchlte sich unwirklich an. Mir war zwar klar, dass alles sehr ernst war, doch ich war mit dieser Situation v\u00f6llig \u00fcberfordert. Ich war bereits auf dem Weg zur\u00fcck nach Deggendorf. Dort angekommen, durfte ich sofort zu J\u00e1nos. Ich konnte so lange bei ihm bleiben, wie ich wollte. In einem Gespr\u00e4ch erkl\u00e4rte mir der Arzt ruhig, was die Diagnose bedeutete. Ich sagte: Ja, es ist die schlimmste Diagnose die es gibt \u201eMein Bruder ist tot.\u201c Und in diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich ihn verloren hatte. Ich verbrachte den ganzen Tag an seinem Bett. Ich hielt seine Hand, sprach mit ihm, erz\u00e4hlte ihm alles, was in mir vorging. Ich hoffte auf ein Zeichen \u2013 irgendetwas, das mir zeigt, dass er mich noch h\u00f6rt. Doch es kam nichts. Ich sagte zu ihm: \u201eIch will nicht, dass du stirbst. Aber ich sp\u00fcre, dass du schon nicht mehr hier bist. Vielleicht stehst du neben mir.\u201c Ich war so in meiner Trauer gefangen, dass ich nicht bemerkte, dass ein Arzt und ein Pfleger im Raum standen. Als ich mich umdrehte, sah ich sie nur verschwommen durch meine Tr\u00e4nen. Der Professor sagte mir leise: \u201eFrau Schmid, ist alles in Ordnung? Sie machen das so gut. Sie haben Ihre Entscheidung getroffen!<br \/>\nIch antwortete: \u201eJa. Ich hoffe, es ist in seinem Sinne. Aber ich glaube, ich kenne ihn gut. Er ist mein Bruder. Er hat meine Entscheidungen immer gut gefunden und verstanden. Ich m\u00f6chte nicht, dass er stirbt \u2013 aber er ist schon tot. Und ich m\u00f6chte nicht, dass sein Tod so sinnlos ist.\u201c Ich sagte Ja zur Organspende. Dann fragte ich den Arzt nach einem Seelsorger, der meinem Bruder die letzte \u00d6lung spenden k\u00f6nnte. Er versprach, dies f\u00fcr uns zu organisieren. Einige Stunden sp\u00e4ter kam ein Pfarrer und erteilte J\u00e1nos die letzte \u00d6lung. Das war f\u00fcr mich wichtig und auch eine Erleichterung. Es war die schwersten Entscheidungen meines Lebens \u2013 und gleichzeitig f\u00fchlte es sich richtig an. Einige Stunden sp\u00e4ter best\u00e4tigte die zweite Hirntoddiagnostik endg\u00fcltig den Tod meines Bruders. Am letzten Tag vor der Organentnahme kamen fr\u00fch am Morgen die Mitarbeiter der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Ich traf den Koordinator Kilian W. zun\u00e4chst auf dem Flur, ohne zu wissen, wer er war. Als er sich vorstellte, f\u00fchlte ich mich sofort etwas aufgefangen. Er erkl\u00e4rte mir in Ruhe, was nun passieren w\u00fcrde. Danach ging ich zur\u00fcck zu meinem Bruder und erz\u00e4hlte ihm alles. Ich erz\u00e4hlte ihm den Ablauf der Organspende \u2013 so, als k\u00f6nnte er mich noch h\u00f6ren. Dann begann das Warten. Eurotransplant wurde informiert, und passende Empf\u00e4nger wurden gesucht. Gegen 16:30 Uhr stand fest, dass f\u00fcr alle Organe Empf\u00e4nger gefunden worden waren. F\u00fcr<br \/>\nmich \u00e4nderte sich nichts \u2013 ich und der Koordinator blieben an J\u00e1nos Seite. Es war ein gutes Gef\u00fchl das ich nicht alleine war. Dann wurde mein Bruder schon f\u00fcr die Organspende vorbereitet. In der Nacht zum 19. Dezember 2019, um 1:15 Uhr, wurde mein Bruder in den Operationssaal gebracht. Ich wartete drau\u00dfen. Die Operation dauerte mehrere Stunden. Anschlie\u00dfend wurde im Operationssaal eine Schweigeminute zu Ehren des Organspenders abgehalten. Danach nahm ich Abschied von meinem Bruder. An jenem Tag starben wir beide, doch auf verschiedene Weise: Er, indem sein Atem sich in die Stille legte, und ich, indem ich weiter atmen musste in einer Welt, die ohne ihn nicht mehr dieselbe war. J\u00e1nos bleibt f\u00fcr immer in meinem Herzen. Durch seine Organspende hat er sechs Menschen das Leben gerettet und ihren Familien \u2013 kurz vor Weihnachten \u2013 neue Hoffnung geschenkt. \u201eOrganspender und Organspenderinnen sind stille Helden. Ohne sie und deren Angeh\u00f6rige g\u00e4be es keine Transplantationen.\u201c Organspende kann jeden von Euch treffen, von heute auf Morgen, ohne Vorwarnung! Trefft Eure Entscheidung zu Lebzeiten selbst! Redet mit Euren Angeh\u00f6rigen dar\u00fcber und Entlastet sie, in so einer so schweren Situation eine Entscheidung treffen zu m\u00fcssen! Ein Nein ist genauso wichtig wie ein Ja!<br \/>\nDEINE ENTSCHEIDUNG Z\u00c4HLT!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/?page_id=105\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs war die schwerste Entscheidung meines Lebens, aber ich wollte, dass mein Bruder weiterlebt\u201c Mein Name ist Eva Schmid, ich wurde 1970 geboren. Ich bin Angeh\u00f6rige eines Organspenders. 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