{"id":986,"date":"2026-05-07T14:58:37","date_gmt":"2026-05-07T14:58:37","guid":{"rendered":"http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/?page_id=986"},"modified":"2026-05-07T15:42:11","modified_gmt":"2026-05-07T15:42:11","slug":"peter-schlauderer","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/?page_id=986","title":{"rendered":"Peter Schlauderer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das wunderbare Leben des Peter S.<\/strong><\/p>\n<p>Wie oft kann man sein Leben geschenkt bekommen?<\/p>\n<p>Am ersten Hochzeitstag meiner Eltern, im August 1966, wurde ich als \u201eaugenscheinlich\u201c gesundes Kind geboren. Da war die Welt f\u00fcr unsere Familie noch in Ordnung.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1977 verlor ich an Gewicht und war sehr matt, weshalb meine Mutter mit mir zum Hausarzt ging, welcher Diabetes feststellte. Am n\u00e4chsten Tag kam ich ins Kreiskrankenhaus, wo mir, nicht unbedingt kindgerecht, das Insulinspritzen beigebracht wurde. Mit einem 10-j\u00e4hrigen Diabetiker waren sie dort \u00fcberfordert. So ging es in die st\u00e4dtische Kinderklinik nach Regensburg. Man stellte fest, dass der Diabetes durch Pfeiffersches Dr\u00fcsenfieber ausgel\u00f6st wurde, die Leberwerte viel zu hoch waren und ich eine vergr\u00f6\u00dferte Milz hatte.<\/p>\n<p>Der Diabetes war trotz aller Bem\u00fchungen schwer in den Griff zu bekommen. Die Werte gingen, aufgrund der damals bescheidenen Mittel st\u00e4ndig auf und ab. Mit 20 Jahren bekam ich im Schwabinger Krankenhaus eine Insulinpumpe, wodurch sich der Diabetes wesentlich verbesserte. Im Zuge dieses Klinikaufenthalts stellte man durch eine Biopsie der Leber einen angeborenen Schaden fest. Der Fokus lag auf dem Diabetes und den hoffentlich zu vermeidenden Sp\u00e4tsch\u00e4den.<\/p>\n<p>Als ich noch keine 30 Jahre war, stieg mein Kreatinin-Wert an. Ich war Vater von drei S\u00f6hnen und als Schreiner im Fahrzeugmodellbau t\u00e4tig. Die Nierenwerte verschlechterten sich und ich musste am Augenhintergrund gelasert werden. Mein Blutdruck stieg und ich war mittendrin in der Spirale der diabetischen Folgesch\u00e4den. Mit 32 Jahren legte man mir die Dialyse nahe. Erst als ich st\u00e4ndig kotzen musste, sah ich ein, dass ich ohne Dialyse nicht \u00fcberleben konnte und w\u00e4hlte schweren Herzens die Bauchfelldialyse.<\/p>\n<p>Die \u00c4rzte, im Sankt Josefs Krankenhaus in Regensburg, meldeten mich mit Beginn der Dialyse bei Eurotransplant f\u00fcr eine Nieren- und Bauchspeicheldr\u00fcsen-Transplantation an. Nachts hing ich 7-8 Stunden am Ger\u00e4t zur Dialyse und tags\u00fcber ging ich zur Arbeit. Unser Schlafzimmer glich einem medizinischen Kranken- und Lagerraum. Ein 30 cm Schlauch hing aus meiner linken Bauchh\u00e4lfte und rechts lag der d\u00fcnne Schlauch der Insulinpumpe unter der Haut.<\/p>\n<p>Am 28. Oktober 1999 kam der Anruf, es w\u00e4ren Organe f\u00fcr mich da. Meine Frau war mit dem f\u00fcnften Kind hoch schwanger und ich wollte bei der Geburt, wie bei unseren S\u00f6hnen auch, dabei sein. Wir entschieden uns zur Transplantation.<\/p>\n<p>Ich bekam genetisch sehr gut passende Organe geschenkt, die Niere nahm die Urinproduktion w\u00e4hrend der Operation auf und die Bauchspeicheldr\u00fcse sorgte daf\u00fcr, dass ich keinen Diabetes mehr hatte. Der Blutdruck normalisierte sich und die Blutungen im Augenhintergrund l\u00f6sten sich auf. Ich kam zur\u00fcck in ein normales Leben, konnte f\u00fcr meine Familie da sein und stieg im Sommer 2000 wieder in meinen Beruf ein. Ich war meinem unbekannten Organspender unendlich dankbar f\u00fcr mein Geschenk des Lebens.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter geschah das Absehbare, unsere Ehe war leider gescheitert, verschlechterten sich meine Leberwerte so, dass mir die \u00c4rzte rieten, mich f\u00fcr eine Lebertransplantation listen zu lassen. Ich ging weiter zur Arbeit, mehr schlecht als recht, und k\u00e4mpfte mit allen Auswirkungen eines Leberpatienten, wie Zittern, Juckreiz, und Vergiftungserscheinungen. Ich war ein Schatten meiner selbst.<\/p>\n<p>Am 04.04.2007, als ich schon zu Bett war, kam der Anruf, es sei eine Leber f\u00fcr mich da. Ab ins Uniklinikum Regensburg. Nach der Transplantation, auf der Intensivstation ging es mir schlecht, ich hatte unbeschreibliche Wahnvorstellungen. Auf der Normalstation verschlechterte sich mein Zustand und ich brach beim Fr\u00fchst\u00fcck zusammen. Durch ein CT stellte man ein Frontalhirnsyndrom (Hirnentz\u00fcndung), ausgel\u00f6st von den Immunsuppressiva, fest.<\/p>\n<p>Die Medikamente wurden umgestellt, aber ich war nicht mehr der Mensch der ich vorher war. Alles verlangsamte sich. Ich konnte nicht mehr sprechen, meine Motorik war kaputt, mein Gleichgewicht nicht mehr halten, schlicht ich hatte, in meinen Worten, meinen Verstand verloren. Der Kampf zur\u00fcck ins Leben war brutal f\u00fcr mich und meine Angeh\u00f6rigen. Ich lernte wieder sprechen, gehen und am Leben wieder teilzunehmen. Eine psychosomatische Reha, ein Jahr nach der Transplantation, pushte mich vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Im Jahr 2010 stieg ich auf Anfrage meiner Leber- \u00c4rztin in die Selbsthilfeaktivit\u00e4t beim Verein \u201eLebertransplantierte Deutschland e.V.\u201c ein. So begann ich Leberpatienten im Klinikum\u00a0 zu besuchen, um sie in ihrer Situation zu ermutigen. Seit dieser Zeit setze ich mich zur Aufkl\u00e4rung zum Thema Organspende ein.<\/p>\n<p>Beim Verein \u201eGegen den Tod auf der Organwarteliste e.V.\u201c setze ich mich f\u00fcr die Legalisierung der \u00dcberkreuzspende oder Ringspende, zur Nierentransplantation und zur politischen Verbesserung der Organspende ein. Wir Betroffene machen die Arbeit, die der Politik nicht gelingt. Es g\u00e4be viel Leid zu lindern oder zu ersparen. Es fehlt der politische Wille in Deutschland. Jedes Jahr sterben ca. 1.000 Menschen, denen ich w\u00fcnschte, so viel Gl\u00fcck zu haben wie ich.<\/p>\n<p>Dank meiner drei Organspenden von meinen beiden Organspendern kann ich heute ein gl\u00fccklicher Vater von vier S\u00f6hnen, einer Tochter und Opa von vier Enkelkindern sein.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein wunderbares Leben.<\/p>\n<p>Peter Schlauderer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dialyse-organ-aoe.de\/?page_id=105\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das wunderbare Leben des Peter S. Wie oft kann man sein Leben geschenkt bekommen? Am ersten Hochzeitstag meiner Eltern, im August 1966, wurde ich als \u201eaugenscheinlich\u201c gesundes Kind geboren. Da war die Welt f\u00fcr unsere Familie noch in Ordnung. 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