Die Geschichte von Josef – zwei Nieren, zwei Chancen, ein Leben voller Stärke
Ich Josef, geboren im November 1951 in Marktl, war mein Leben lang ein aktiver,
lebensfroher und bodenständiger Mann. Verheiratet, fest verwurzelt im Leben, voller Pläne und mit einer großen Liebe zur Natur. Wandern, Gemeinschaft, Vereine, mein tiefer Glaube –all das gehörte zu mir wie das Atmen selbst.
Doch im März 1992 änderte sich alles. Eine schwere Blutvergiftung führte zum Beginn der akuten Dialyse. Ein Wort, das für viele wie ein Bruch im Leben klingt, wurde für mich Realität. Was eben noch selbstverständlich war – Kraft, Freiheit, Unabhängigkeit – wurde plötzlich durch Maschinen ersetzt, durch regelmäßige Behandlungen, durch ein neues, fremdes Alltagsritual. Trotzdem gab ich nicht auf.
Drei Jahre lang stellte ich mich der Heimdialyse. Tag für Tag, mit Disziplin und Ruhe. Ich
lernte, mit der Situation zu leben, sie zu akzeptieren, ohne mich ihr zu ergeben. Und vertrug sie gut – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Denn ich war jemand, der nicht im Problem verharrte, sondern im Leben blieb.
Ohne meine Frau hätte ich das alles nie geschafft. Sie hat mir regelmäßig die Nadeln für die Dialyse gesetzt und mir die Sicherheit gegeben, die Heimdialyse überhaupt durchführen zu können. Trotz ihrer eigenen Belastung – ihrer Arbeit in der Apotheke und der Pflege ihrer Mutter – war sie immer an meiner Seite und mein größter Halt.
Dann kam der 22. auf den 23. März 1995 – ein Datum, das sich tief in meine Geschichte einprägte. Die erste Nierentransplantation. Ein Moment zwischen Hoffnung und Angst, zwischen Schmerz und Erwartung.
Doch der Weg war schwer. Die geschenkte Niere wollte nicht sofort arbeiten, sie „sprang spät an“, wie die Ärzte sagten. Für mich bedeutete das Wochen des Wartens, des Hoffens, des Durchhaltens. Erst am 25. Juli 1995 konnte ich endlich die Klinik „Rechts der Isar“ verlassen. Ein langer Weg zurück ins Leben – aber ich ging ihn.
Und ich ging weiter. Ich blieb nicht stehen, wurde aktiv in der Selbsthilfegruppe Dialysepatienten und Transplantierte Altötting e.V. Ich wusste wie es sich anfühlt, wenn das Leben aus der Bahn gerät – und genau deshalb wollte ich anderen helfen, ihren Weg nicht allein zu gehen. Später übernahm ich sogar Verantwortung im Vorstand. Aus einem Patienten wurde ein Unterstützer, aus einem Betroffenen ein Gestalter.
Zwischen all dem blieb ich ich selbst: naturverbunden, wanderfreudig, ein Mann der Vereine, der Gemeinschaft und der Gespräche. Draußen in den Bergen fand ich Ruhe, Kraft und Dankbarkeit.
Viele Jahre funktionierte die transplantierte Niere gut. Ein stilles Geschenk, das mir Zeit
schenkte – bis Anfang Juni 2014. Dann begann ein neuer schwerer Abschnitt: erneut Dialyse. Am 4. Juli 2014 startete die Behandlung in der Dialysestation Altötting. Fast sieben Jahre lang lebte ich wieder mit der Maschine, mit der Geduld, mit der Hoffnung, und dem Glauben, dass ich noch einmal eine Chance bekommen könnte.
Und sie kam. Am 15. Januar 2021 erhielt ich meine zweite Nierentransplantation im Klinikum „Rechts der Isar“. Wieder ein Eingriff, wieder ein banges Warten – aber auch wieder Hoffnung. Bereits am 28. Januar 2021 konnte ich entlassen werden.
Und dieses Mal war es anders. Die neue Niere funktionierte sehr gut. Und sie arbeitet bis heute zuverlässig. Wenn ich heute auf mein Leben schaue, sehe ich Höhen und Tiefen, Krankheit und Heilung, Angst und Hoffnung. Aber vor allem sehe ich einen Weg, der mich immer wieder getragen hat. Meinen Glauben.
Er war nie laut, aber immer da. In jedem Krankenhauszimmer, in jeder Dialyse, in jeder Nacht des Wartens.
Heute bin ich nicht nur ein Mensch mit einer medizinischen Geschichte. Ich bin ein Mensch mit zwei Nierentransplantationen, mit Jahrzehnten zwischen Dialyse und Hoffnung, zwischen Rückschlägen und Neubeginnen. Und vor allem bin ich jemand, der gezeigt hat, dass Leben nicht linear verläuft – sondern manchmal durch tiefe Täler geht, ohne dass es seinen Wert verliert.
Meine Geschichte ist keine von „nur Überleben“, sondern eine von Durchhalten, Mitgestalten und Weitergehen.
Und vielleicht ist genau, dass das Beeindruckendste an mir:
Ich habe nie aufgehört, wirklich zu leben und dankbar zu sein für die beiden Organspender und ihre Angehörigen und vor allem meiner Lieben Frau für das beistehen in allen Höhen und Tiefen.